Eine Netzpartei, die keine sein will

Im Jahre 2006 sind die Piraten fast aus dem Nichts auf der Bühne aufgetaucht und haben geglaubt, dass sie etwas verändern können.
Ein paar Jahre später ist das auch prompt geschehen: Ein paar lustig aussehende und merkwürdig wirkende Nerds sind nacheinander erdrutschartig in 4 Landesparlamente eingezogen.
Wir Piraten haben geglaubt, dass wir gewonnen hätten und der weitere Erfolg garantiert wäre.

In unserer Naivität sind wir hechelnd über jedes Stöckchen gesprungen, das man uns hingehalten hat, in der Annahme, jedem gefallen zu müssen.
Wir haben uns ein riesiges Sozialprogramm gegeben, weil wir den SPD und Linke-Wählern gefallen wollten.
Wir haben uns ein Landwirtschaftprogramm gegeben, weil die Bauern uns wählen sollen.
Wir haben uns ein Gesundheitsprogramm gegeben, weil uns irgendeine x-beliebige weitere Gruppe wählen soll.
Wir verfallen schrittweise dem Genderwahn.
Piratpartei
Und dabei haben wir gnadenlos verpennt, uns um die Leute zu kümmern, die uns von Anfang an nicht nur des Protestes wegen gewählt haben: Netzgemeinde und Bürgerrechtler!
Mit dem Internet hielten und halten wir ein potentiell urdemokratisches und unglaublich mächtiges Werkzeug in den Händen, mindestens so revolutionär wie damals der Buchdruck.
Wir haben unser Alleinstellungsmerkmal, unseren massiven Kompetenzvorteil beim einzigen Thema, das nach wie vor von keiner anderen Partei glaubwürdig vertreten wird, völlig ohne Not verschenkt.

Es gibt keine Partei, die sich umfassend für Netzneutralität einsetzt.
Es gibt keine Partei, die sich glaubhaft gegen den Überwachungswahn stemmt.
Es gibt keine Partei, die allumfassend Bürgerrechte verteidigen will.

Das ist unsere Chance, unsere Kernidee! Aus diesen Gedanken wurde die Piratenpartei geboren.

Es interessiert am Ende nur eine verschwindend kleine Minderheit, ob unser Programm satte 80 oder nur 8 Seiten hat. Aber es interessiert unsere Wähler, ob wir es geschafft haben, die NSA-Spionage zu thematisieren und Druck aufzubauen.
Statt auf der Straße zu stehen und den Leuten intensiv zu vermitteln, was Totalüberwachung eigentlich bedeutet und wo Demokratieabbau endet, haben wir in kleinen Gruppen jedes noch so kleine Thema in Positionspapiere, Wahlprogramme und Wikiseiten verwurstelt. Wir streiten darum, ob wir links, sozialliberal oder gleich ganz anarchistisch sind.
Gut, sozialliberal ist wenigstens sonst niemand in diesem Lande, also hätten wir damit zumindest ein Alleinstellungsmerkmal. Das Label ist positiv belegt, steht für eine offene und positive Gesellschaft und passt damit recht gut zu den Kernideen der Piraten.

Aber zu allererst sind wir die Netzpartei. Wir sind die Partei, die sich Bürgerrechte nicht nur auf die Fahnen schreibt, sondern auch dafür kämpft!

Es spricht nichts gegen die Teilnahme an Demonstrationen zu verschiedensten Themen, die uns interessieren.
Es spricht nichts dagegen, wenn sich kleine Gruppen auch mit Randthemen beschäftigen.
Es spricht nichts dagegen, wenn ein paar ultra-Progressive mal eine verrückte Idee haben.
Aber das darf nicht zu Lasten unseres Profils und unserer Kernkompetenzen gehen!

Ich fordere daher die Piraten dazu auf, die für uns wichtigen Themen wieder in den Vordergrund zu stellen.
Das Netz ist unsere Heimat. Darum müssen wir kämpfen!

Wir sind die Netzpartei!


Kommentare

32 Kommentare zu Eine Netzpartei, die keine sein will

  1. Hartmut schrieb am

    Kann da vielem zustimmen, leider ist die Beschränkung auf „Netzpartei“ auch so ein Orchideenthema. Bürgerrechtspartei trifft es ganz gut und daraus abgeleitet beinhaltet es auch das „Netz“. Vielleicht wird es ja noch mal was mit den Piraten, aber nur dann wenn man zusammenarbeitet und endlich dieses Mobben, Hetzen aufhört. Manchen sollte man Twitter und Blogverbot erteilen, auch Abgeordneten und Vorständen!

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