Was passiert, wenn man nicht alle Informationen hat

In meinem gestrigen Blogeintrag „Ein Kompromiss, der keiner ist“ habe ich mich bitterböse über die Entscheidung von Julia Reda beschwert, bei der Wahl des Kommissionspräsidenten für Jean-Claude Juncker zu stimmen und ihr Verrat an den Piratenwählern vorgeworfen.

Diese Darstellung möchte ich im Lichte von Informationen, die mir erst heute zugänglich geworden sind, korrigieren.

In ihrem Blogeintrag „Warum ich Juncker gewählt habe und was ich jetzt von ihm erwarte“ erklärt Julia für mich recht schlüssig, warum dies tatsächlich ein Kompromiss ist, den man eingehen kann und vielleicht sogar eingehen sollte.
Ich zitiere einige wichtige Auszüge, empfehle aber dringend den gesamten Blogeintrag zu lesen:

„Wäre Juncker nicht zum Kommissionspräsidenten gewählt worden, hätte der Rat dieses Demokratieexperiment für gescheitert erklärt und bei der nächsten Wahl würde diese Personalie wieder allein von den nationalen Regierungen im Hinterzimmer entschieden. Da die Piratenpartei sich für eine Stärkung des europäischen Parlaments einsetzt, kam die Wahl von Juncker für mich in Frage, obwohl er der Kandidat der Christdemokraten ist.“

„Er ist meiner Meinung nach so weit auf Piratenpositionen zugegangen, wie wir das erhoffen konnten, ohne für seine eigene Fraktion unwählbar zu werden.“

„Es ist ein Meilenstein, dass ein Konservativer anerkennt, dass das Urheberrecht sich auch als Bremse für den digitalen Fortschritt erweisen kann.“

Weitere Versprechen von Juncker, die Julia in ihrem Blogeintrag auflistet, die mir vorher nicht bekannt waren:
– Aufhebung der Blockade einer europäischen Datenschutzverordnung
– Veröffentlichung aller Dokumente zum Transatlantischen Freihandelsabkommen TTIP
– Zusage von 300 Milliarden Euro für den Breitbandausbau und erneuerbare Energien

Diese Punkte sind für mich so substanziell, dass ich meine Meinung geändert habe und Julias Entscheidung nicht nur verstehe sondern sogar unterstütze.

Unterm Strich bleibt lediglich ein Kritikpunkt, den ich aufrecht erhalten möchte: Unsere Kommunikation ist unzureichend. Insbesondere bei derart wichtigen Entscheidungen sollten die Piraten vorher über die Beweggründe informiert werden. Damit lassen sich viele Streitpunkte eliminieren.


Kommentare

5 Kommentare zu Was passiert, wenn man nicht alle Informationen hat

  1. Christopher Clay schrieb am

    Danke für diesen Beitrag! Ich unterstütze ab sofort Julia bei der Kommunikation, und wir werden natürlich so gut wie möglich versuchen, dem Wunsch nach zeitnaher Kommunikation zu entsprechen.

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht öffentlich angezeigt. Verbindlich einzugebende Felder werden mit diesem Zeichen kenntlich gemacht: *

Weitere Informationen

Suche

in

Kategorien